Ratgeber zur Grünlandverbesserung und zur Futterkonservierung
Entscheidungshilfe
für Nach- und Ansaatverfahren
Grünlandnarben verschlechtern sich im Laufe der Zeit durch Einwirkungen
der Umwelt und durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Um die Qualität
der Narbe zu erhalten, sind gezielte Maßnahmen zur Grünlandverbesserung
durchzuführen. Bestimmte Pflegemaßnahmen wie Schleppen oder Striegeln,
Walzen und Nachmähen gehören zum jährlichen Standardprogramm
der Grünlandbewirtschaftung.
Schleppen und Striegeln dient der Einebnung von Bodenaufwürfen
und der Verteilung von Kotfladen. Das verringert die Rohaschegehalte im Futter
und die Entwicklung von Geilstellen. Entsprechend dient das Schleppen direkt
der Verbesserung der Futterqualität. Beim Einsatz von Ring- oder Stahlreifenschleppen
mit Zähnen oder von Grünlandstriegeln wird auch ein Aufreißen
von Narbenfilz, verursacht z. B. durch Straußgräser sowie Gemeine
und Jährige Rispe, erreicht. Ohne eine anschließende Nachsaat kann
aber auch eine ungewollte Vermehrung von Schadpflanzen (Quecke, Ampfer, etc.)
entstehen.
Walzen ist für den Bodenschluss und damit die Verbesserung
des Temperatur- und Wasserhaushalts der Grünlandnarbe, besonders auf Mooren
und stark humosen Böden nach frostreichen Wintern, notwendig. Für
eine positive Wirkung sollte das Walzen früh, aber bei nicht zu feuchtem
Boden erfolgen.
Wird zu trocken gewalzt, kann der gewollte Effekt ausbleiben.
Gewalzt wird mit der schweren Wiesenwalze (1,5 t/m; 4 km/h).
Mit dem Walzen
können auch Bodenaufwerfungen, wie sie z.B. durch Fahrspuren entstehen,
erfolgreich eingeebnet werden. Pflanzen mit stehenden Grundachsen, wie Doldenblütler
(Bärenklau, Wiesenkerbel, Giersch, Wilde Möhre, u.a.), reagieren empfindlich
auf Walz- bzw. Bodendruck. Durch regelmäßiges Walzen kann deren Ausbreitung
eingeschränkt werden.
Nachmahd ist eine bedeutende Maßnahme auf der Weide
zur Einschränkung von Samenunkräutern wie Ampfer und Rasenschmiele,
welche sich infolge von selektiver „Unter“-Beweidung und im Bereich
der Geilstellen durchsetzen. Die Nachmahd sollte vor allem die Samenträger
und das Gros der Blattmasse der Schadpflanzen erfassen aber nicht zu tief (<5
cm) erfolgen, um die Assimilationsfläche der Weidenarbe zu schonen. Bei
hohen Weideresten sollte eine Schwadbildung, mit der Folge einer Beschattung
der Narbe, vermieden werden.
Nachsaat ist das Einbringen von Saatgut in eine lebende, agronomisch
noch befriedigende Narbe.
- Durchsaaten werden mit speziellen Nachsaatmaschinen durchgeführt.
Zwischen den Techniken (Schlitz, Scheibe, Zahnrille, Fräsrille) bestehen
im Nachsaaterfolg keine wesentlichen Unterschiede. Die Streifenfräs-
technik ist teurer, ermöglicht aber das Einbringen von Arten mit langsamer
Jugendentwicklung wie Wiesen- schwingel, Wiesenlieschgras und Wiesenrispe.
Wird Ackerdrilltechnik eingesetzt, sollte in zwei Überfahrten diagonal
gedrillt werden, um den Reihenabstand zu verbessern. Nicht immer kann bei
dieser Technik die optimale Ablagetiefe von 1 bis 2 cm eingehalten werden.
- Übersaaten (bevorzugt mit breitwürfiger Technik mit Striegel,
häufig zusammen mit der Düngung ausge- bracht) sollten mehrfach
erfolgen, um den Erfolg zu sichern.
Damit Nachsaaten gelingen, ist auf Folgendes zu achten:
- ausreichende Wasserversorgung
- eine geringe Konkurrenz/Wüchsigkeit der Altnarbe
- nach jeder Nachsaat walzen
- reduzierte N-Düngung (zum Nachsaataufwuchs max. 60 kg/ha, Gülle
nur vor der Nachsaat)
- frühe und häufige Nutzung (anfangs besser Mahd als Beweidung)
- als gute Nachsaattermine gelten das zeitige Frühjahr (März) und
der Spätsommer (Ende August)
Ansaat ist das Ausbringen von Saatgut in eine chemisch abgetötete
Narbe (Direktsaat) oder nach Umbruch (Ansaat nach Pflug/Fräse).
Damit Neuansaaten gelingen, ist auf Folgendes zu achten:
- vor der Direktsaat sollte der Altbestand (je nach Masseanfall) geräumt
werden
- ein Ablegen des Saatgutes in den Boden muss erreicht werden
- nach dem Pflügen mit Packer und Wiesenwalze rückverfestigen
- Saattiefe von 1 bis 2 cm einhalten
- nach der Ansaat erneut walzen
- reduzierte N-Düngung (zum 1. Aufwuchs max. 50 kg N/ha)
- Unkraut kontrollieren
Lücken in der Grasnarbe
Oft steht die Frage: „Was sind Lücken und wie sind diese zu schätzen?“
- Bei Grünlandnarben, welche beweidet werden und bei normaler bis semiintensiver
Bewirtschaftung, wird die pflanzenfreie Bodenoberfläche unmittelbar nach
einer Nutzung oder nach dem Winter als Lücke angesehen.
Empfehlung: Nachsaat ab 15 % Lücken im Mittel von 4 bis 5 Beobachtungsstellen
- Bei intensiver Bewirtschaftung der Grünlandnarben (>250 kg N/ha,
3 bis 4 Schnitte, sehr guter Nachwuchs) und durch späte Sorten und späte
Nutzung des 1. Aufwuchses geprägte Bestände kann das offene Blätter-
dach (nicht geschlossener Bestand) bei einer Wuchshöhe von ca. 15 bis
20 cm als Lücke angesehen werden. ? Empfehlung: Nachsaat ab 5 % Lücken
im Mittel von 4 bis 5 Beobachtungsstellen
- Prüfen Sie an mehreren Stellen auf der Grünlandfläche je
ein Quadrat von 40 cm x 40 cm: lückige Stellen in der Größe
einer Hand bedeuten in etwa 15 % Fehlstellen.